18.12.2012
Welche Chancen bietet eine Kooperative den Menschen in der Krise? Faire Arbeitsbedingungen und günstigere Produkte?

Wir wollten es genau wissen!

Mitten in einem Quartier gelegen, welches vorwiegend aus Internetcafés und Spielhallen besteht, liegt das kleine Ladenlokal namens S.Pa.Me. Von Außen macht es den Eindruck eines Reformhauses, wie wir es aus der Schweiz kennen. Wir betreten den Laden, sehen uns ein wenig um, bevor wir von einem jungen bärtigen Mann namens Christos begrüßt werden. In der Mitte des kleinen Lokals steht ein Tisch und ein paar Stühle. Wir nehmen Platz. Christos brüht uns einen arabischen Kaffee auf einem Camping-Gaskocher. Im Regal vis-à-vis steht allerlei Kaffee von Übersee. Es werden also nicht nur lokale Produkte verkauft.

Christos erzählt uns in gebrochenem Englisch vom Projekt. Seit zwei Jahren gibt es S.Pa.Me schon. Im Laden werden ausschließlich Produkte angeboten, welche in Kooperativen oder Familienbetrieben hergestellt werden. Rund 80% dieser Produkte, wie süße und salzige Snacks, Suppen, Reis, Teigwaren, Oliven und Knoblauch, stammen aus einem maximalen Umkreis von 100 km rund um Thessaloniki. Einige weitere Produkte, wie Honig oder Seifen, kommen aus entfernteren Regionen Griechenlands. Produkte wie Schokolade oder Kaffee stammen von zapatistischen Kooperativen Mexikos. (http://www.chiapas.ch/cafe0.php). Auf die Frage warum der Laden keine Gemüse aus der Region anbietet, sagt uns Christos, dass sie dies gern tun würden, die rechtliche Bewilligung des Ladens es ihnen momentan jedoch verbietet Frischprodukte anzubieten.
Die Genossenschaft besteht aus ca. 20 alternativ gesinnten Menschen verschiedenster Altersklassen, welche im Nordosten von Thessaloniki diesen kleinen Laden betreiben. Durch dass sie die Waren direkt beim Produzenten beziehen, überspringen sie den Schritt über einen Zwischenhändler und können so hochwertige Produkte zu einem günstigeren Preis verkaufen.
Eines der wichtigsten Kriterien um mit einem Produkt ins Sortiment aufgenommen zu werden, ist dass der Produzent Interesse am Konzept von S.Pa.Me hat und es ihm nicht nur um den finanziellen Profit geht. Denn hinter der Idee dieses Konzeptes steckt nicht nur das Streben nach billigeren Produkten. Verkürzte Transportwege, zu wissen von wo die Produkte kommen, und die Arbeitsbedingungen der Produzenten zu kennen, sind wichtige Faktoren für die Auswahl der Produkte. Die Mitglieder der Genossenschaft wissen von jedem Produkt genau woher es kommt und können die Kunden so über jedes Produkt genauestens informieren.

Das Projekt sei aber keine direkte Reaktion auf die Krise in Griechenland und es sei auch keine spürbare soziale Bewegung welche hinter diesem Projekt steht. Was fehlt sei ein Dachverband der die verschiedenen Organisationen und Interessengemeinschaften zusammenhält. Es mangelt an Zusammenarbeit zwischen den Genossenschaften, so Christos. Dennoch scheint das Konzept zu funktionieren und das scheint ihm zu reichen.

Die momentane Wirtschaftslage Griechenlands offenbart sich dadurch, dass die meisten Kunden mehr Wert auf niedrige Preise als auf qualitative Produkte legen. Während unserem fast zwei Stunden andauernden Gespräch kommen vereinzelt Menschen in den Laden. Christos spricht eine Weile mit ihnen und erzählt uns danach den Inhalt eines Gespräches. Ein Ladenbesucher versteht nicht warum die Preise, trotz des direkten Bezugs beim Produzenten, nahezu mit denen des Großhändlers identisch sind. Eine Bestätigung der Aussage: Die Menschen hier wollen billig!
Für die Zukunft ist geplant das Angebot an Produkten weiter auszubauen und auch frische Ware anzubieten. Um mehr Menschen anzusprechen, sind sie auf der Suche nach einem Ladenlokal, welches mehr im Zentrum der Stadt liegt. Des Weiteren wollen sie an Märkten und Universitäten Informationsveranstaltungen anbieten, um ihre Anliegen an die Öffentlichkeit zu bringen.

Anhand der Informationen welche uns die Journalistin Anita Mordechai mit auf den Weg gab, sowie unserem Vorwissen über die momentane Wirtschaftslage Griechenlands hatten wir vor unserem Besuch eine klare Vorstellung davon, was uns erwarten würde. Entgegen dieser Erwartungen ist der Laden jedoch nicht aus der Not der Menschen in der Krise entstanden, sondern aus Überzeugung. Einerseits um Konsumenten und Produzenten näher zusammenzubringen, andererseits um die Produzenten auch fair für ihre Arbeit zu entlöhnen.

Der Einblick in dieses Projekt zeigt uns einerseits auf, dass die Menschen auch in schwierigen Zeiten nicht resigniert sind und die Energie haben, gemeinschaftliche Projekte mit Mehrwert zu initiieren und zu betreiben. Andererseits spüren wir eine gewisse Aussichtslosigkeit in den Stimmen der Beteiligten. Eine Aussichtslosigkeit die sicher nicht zuletzt wegen der Krise so allgegenwärtig ist.
Wir hatten die Erwartung ein Projekt zu betrachten welches aus der Krise entstanden ist und realisierten dass genau die Krise des Projektes größtes Problem ist, denn  sie ist mitunter dafür verantwortlich dass die Menschen nur den Preis der Produkte werten, nicht aber die Qualität.