11.1.2013
FINK & ✭
Projektbeschrieb #2 (Arbeitstext)

Der Arbeitstitel Fink & ✭ steht für die Gruppenarbeit der beiden Diplomprojekte von Luca Müller und Ramon Stricker. In dieser Gruppenarbeit untersuchen wir gemeinsam die Thematik des Luftbildes und dessen Einfluss. Die Abgrenzung unserer Diplomarbeiten erfolgt durch die Versuchsreihe beziehungsweise durch die jeweils eigenen Beiträge und Experimente. Die individuellen Projekte werden in den zwei persönlich verfassten Absätzen zum Schluss dieses Textes angeschnitten.

Das Luftbild (Die These)

Der Fortschritt der Medien beeinflusste in all seinen Entwicklungen unsere Wahrnehmung und veränderte die Sicht des Menschen auf die Welt.
Angefangen mit einer Fotografie unserer Weltkugel, welche die Apollo 11, 1969 auf der Rückkehr der ersten bemannten Mondlandung schoss, als die Astronauten von der überwältigenden Sicht auf die aufgehende Erde überrascht wurden, sind wir uns heute, rund 40 Jahre später, gewöhnt, die Welt von oben betrachten zu können.
Satellitenbilder, zuerst nur von Militär und Geheimdienst zur Überwachung und Ortung verwendet, wurden durch die Verbreitung des Internets und durch Kartendienste wie die von Google, für viele Menschen zugänglich gemacht. Stark frequentierte Flecken dieser Erde können heute per Mausklick, in einer hohen Auflösung, von oben betrachtet werden. Was von oben betrachtet, verborgen bleibt, wird z.B. durch Google Street View sichtbar gemacht.
Das Verständnis der Welt durch ihrer Darstellung, also unser kartografisches Denken, ist sich am verändern. In einer Zeit hoher Mobilität, in einer Zeit eines erweiterten Raumempfindens, können wir die Welt taktgleich erleben. Die Erde hat eine endliche Grösse und eine hohe Gleichzeitigkeit erlangt.

In den letzten Jahren hat sich die Technik der UAV (Unmaned Aerial Vehicle, hierzulande als Drohne bezeichnet) rasant entwickelt. Drohnen sind für den privaten Einsatz zugänglich geworden und damit die Möglichkeit hochauflösendes Bild- und Videomaterial zeitgleich einzufangen und zu verbreiten. Für wenige hundert Franken sind bereits kleine Drohnen erhältlich, die vom Tablett oder Smartphone aus gesteuert, Videoaufnahmen in HD-Auflösung aufnehmen können. Zahlreiche Startups die Luftbilder kommerziell anbieten, zeigen eine Richtung im Umgang und Einsatz dieser neuen Technologie an.

Es ist zu erwarten, dass sich die Drohne und die Videotechnik im Eiltempo weiterentwickeln. Ihr wichtiger Beitrag bei der Erstellung von Luftbildern zeigt eine neue Sicht auf unsere Umgebung. Der Zeitabstand zwischen der Aufnahme und der Betrachtung des Luftbildes wird immer kürzer. Die Orte, Flächen und Ansichten, die durch die Luftbilder gezeigt werden gewinnen an Prominenz. Die Community der Drohnenfilmer und der Anteil an Luftbildern in den Medien wird stetig zunehmen. Es wird wohl nicht mehr lange dauern bis Events im Netz, live aus der Luft mitverfolgt werden können.

Unser Projekt

In diesem Projekt wollen wir uns mit der Entwicklung des Luftbildes und dessen Auswirkung auf das visuelle Verständnis des Raumes und was das für die Sicht des Menschen auf die Welt bedeutet, beschäftigen.
Um die Tragweite des Luftbildes zu veranschaulichen, erarbeiten wir eine Ausstellung, welche die Relevanz und die längerfristige Bedeutung des Themas von verschiedenen Seiten beleuchtet. Als Interaktionsleiter suchen wir einen geeigneten Ort für die Ausstellung, erarbeiten ein Konzept und suchen die richtigen Partner.
Durch Diskussionen mit den Beteiligten über ihre Standpunkte zum Thema, durch eigene Beiträge an die Ausstellung, durch die Zusammenarbeit mit Produktionspartnern, setzen wir uns intensiv mit der Thematik des Luftbildes und der damit verbundenen Sicht auf die Welt auseinander.
In eigenen Versuchen experimentieren wir mit verschiedenen Einsätzen einer Drohne und eigenen Methoden, mit welchen wir die Bedürfnisse nach Luftbildern suchen und sichtbar machen wollen.
Dokumentiert, analysiert und kommentiert bilden diese Versuche unsere eigenen Erfahrungen und werden in die Ausstellung mit einfliessen.

Fragestellung

Was für Auswirkungen hat die neue Sicht auf die Welt und auf die Wahrnehmung unserer Gesellschaft?
Wo liegen mögliche Tendenzen, in welche Richtung könnten sich Zukunftsszenarien entwickeln?
Auf welchem Stand ist die Technik der Luftbildaufnahme und Verarbeitung und was für Entwicklungen sind absehbar?
Was sind Utopien, wer spinnt sie, wen interessieren sie?
Mit unserem eigenen Kopter experimentieren wir und machen uns auf die Suche nach einem Nutzen dieser Möglichkeit, die Dinge von Oben zu betrachten.
Wo werden dabei neue Flächen und Räume sichtbar, wer nutzt diese und was bergen sie für ein Potential?
Wie kann ich diese Räume als Gestalter zum Thema machen und allenfalls über die Ansicht aus der Luft bespielen?
Wie kann ich die Drohne selbst in Szene setzen, wo birgt sie Potenzial um mit ihr zu gestalten?

Ziel

Die eigenen Experimente sind Spiel- und Lernfeld in denen wir uns als Piloten und als Gestalter weiterbilden können. Die Umsetzung dieser Erfahrungen in eine Ausstellung, ist die Herausforderung, der wir uns als angehende Interaktionsleiter stellen wollen.
In den Kooperationen entsteht Platz für Experimente und Diskussionen. Die Vernetzung, welche wir für das gelingen einer funktionierenden Ausstellung geleistet werden muss, bildet im Idealfall ein produktives Arbeitsumfeld.
Der grosse Arbeitsumfang der Konzeptionierung und die Durchführung der Ausstellung bietet uns den Spielraum, bei unseren individuellen Versuchen, mutig experimentieren zu können.
Die Ausstellung soll zudem unsere Absicht eines Startups begünstigen und soll als Vorbereitung auf den Einstieg in eine mögliche Selbständigkeit dienen.
Die geleistete Vernetzung und die neuen Betrachtungsweisen, bilden eine geeignete Basis um uns als Unternehmen in der Branche des Luftbildes von der Konkurrenz ab zu grenzen und eine fundierte Unternehmenshaltung zu bilden.

Methode

Um differenzierte Ansichten der Luftbilderfassung zu erfahren, wollen wir mit einer gemischten Autorenschaft zusammenarbeiten und eigene Versuche anlegen.
 Dabei unterscheiden wir zwischen zwei Arten des Einsatzes der Drohne. Die Drohne als Aktionsinstrument auf der einen und als aufzeichnendes Werkzeug auf der andern Seite. Dies sind auch die Unterscheidungsmerkmale in denen unsere individuelle Auseinandersetzungen sichtbar werden.

Luca: Die Drohne als Instrument der Aufzeichnung

Meine Recherchen haben ergeben, dass kamerabestückte Drohnen vorwiegend für Sicherheitsanwendungen, namentlich zur Überwachung (z.B. vom öffentliche Raum, bei Katastrophen oder Infrastrukturanlagen), eingesetzt werden. Im privaten oder kommerziellen Dienstleistungsgebrauch wird die Luftbildtechnik für die Aufzeichnung von Sportvideos, für Imagefilmproduktionen oder für die Luftbildfotografie (vorwiegend in der gewohnten Postkartenästhetik) eingesetzt.
Meine Arbeiten sollen weniger Anwendungen welche bereits von existierenden Luftbildunternehmen angeboten werden im Fokus haben, sondern vielmehr Produktionen Platz geben, die mit einem experimentellen oder sogar utopischen Ansatz angelegt werden.
Ich möchte meinen Produktionspartnern das Drohneninstrument und meine Erfahrungen in der Konzeptionierung eines Experimentes zur Verfügung stellen.
In einer künstlerischen Herangehensweise und mit dem Fokus auf alternative Einsatzmöglichkeiten möchte ich in Versuchen nachgehen. 
Vermag es die Drohne, neue Orte zu erschliessen die vorher zur Bespielung uninteressant waren? Wo liegen Orte die nur durch die Möglichkeit der Luftbildaufnahme an ein Publikum gebracht werden können?
 Mit Interventionen an Orten oder Bespielungen von Flächen, die dem Publikum normalerweise verborgen bleiben, sollen für die Versuchsreihen in diesem Anwendungsbereich experimentiert werden.
Die Drohne soll dabei für die Erfassung der Produktionen und Präsentationen eingesetzt werden. Als Arbeitsmittel in der Kommunikation soll die Drohne auf ihre Möglichkeiten untersucht werden. Wo kann das Luftbild ein interessantes Medium für das Transportieren und Vermitteln von Inhalten sein?
Durch meine experimentelle Arbeit, bei der ich explizit auch Versuche durchführen möchte, deren Zweck anfangs verborgen bleibt, erhoffe ich auf neue Ideen zu stossen.

Ramon: Die Drohne als Aktives Gestaltungsmittel

Als Individuelle Auseinandersetzung mit der Thematik möchte ich eine Versuchsreihe machen, in welcher ich den Mikrocopter als aktives Gestaltungsmittel einsetze.
Unsere Recherche hat ergeben, dass sich die Einsatzgebiete von Microkoptern mit wenigen Ausnahmen in Anwendungen erschöpfen, in welchen der Kopter zum Aufzeichnen von Bildern eingesetzt wird.
In meinen versuchen möchte ich die Drohne selbst ins Zentrum stellen. Anspielend auf die Verwendungszwecke zu welchen Drohen üblicherweise eingesetzt werden, habe ich mir nachfolgende Experimente überlegt.

Entgegen der zerstörerischen Absicht, mit welcher das Militär Drohen entwickelt hat und sie je länger je mehr auch einsetzt, möchte ich eine Lebensstiftendes Experiment waagen.

Die Drohne als Sahtgutbomber:
Hierbei möchte ich die Symbolik der Bombe dazu missbrauchen mit einer Guerillaaktion Blumensamen an schwer zugänglichen Orten zu verteilen.

Dem Überwachungszweck, also dem Versuch die störende Wahrheit auf zu zeichnen um sie kontrollieren zu können, möchte ich den Zufall, die Unberechenbarkeit und meine Imagination und Phantasie entgegensetzen.

Die Drohne als Pinsel:
In diesen Versuchen geht es darum, mit der Drohne zu Malen, zu Sprayen oder mit Tropfender Farbe eine Spur zu legen.

Bei den genanten Experimenten ist die Drohne nicht mehr aufzeichnendes Gerät sondern selbst Gestaltungsmedium. Im Produkt bzw. in der Dokumentation dieser Experimente, wird, im Gegensatz zu den Versuchen von Luca, die Drohne in ihrer Aktion sichtbar sein.
Dieser Performative Einsatz soll eine neue, andere Sicht auf die Drohne erlauben.
Die Resultate der Experimente untersuche und beurteile ich auf ihr Gelingen und ihre Aussagekraft. Dokumentiert bilden sie einen Bestandteil der, zum Schluss der Diplomarbeit stattfindenden Ausstellung.
Ich Waage mich mit diesen Versuchen in ein, mir nicht gänzlich fremdes, jedoch auch nicht in ein Arbeitsfeld, in dem ich mich viel bewegt habe. Die Versuche sind eine künstlerische Auseinandersetzung mit einer Thematik und sollen diesem Umstand vor allem in der experimentellen Herangehensweise gerecht werden.