11.1.2013
Mein Diplomvorhaben

In meinem letzten Jahr am Hyperwerk möchte ich mich mit dem Themenfeld Theater und Medien beschäftigen. In den letzten fünf bis zehn Jahren haben die technischen Fortschritte im Videobereich und im Internet dazu geführt, dass in zeitgenössischen Theaterproduktionen immer mehr verschiedene Medien und Ausdrucksformen durchmischt werden. Dies passt zwar zum aktuellen Zeitgeist, steht für mich jedoch im Gegensatz zum traditionellen Theater, dass sich technisch jahrzehntelang auf Bühnenbild, Licht und Musik beschränkt hatte. Der aktuelle Trend im Theater beinhaltet zum Beispiel Live-Video, Video-Tracking und Video-Mapping, sowie auch Visuals, digitale Fotographien, Rauchmaschinen, Showlaser und Schwarzlichtröhren. Ich möchte in meiner Arbeit diese Entwicklung der letzten Jahre genauer untersuchen und nach den Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Theaterbetrieb und den Beteiligten forschen.
Neben Fachliteratur aus der Medienwissenschaft möchte ich mich auch in eine Art Feldforschung stürzen und verschiedenen Theatermachern in Interviews auf den Zahn fühlen, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen. Wieso wird Video auf der Theaterbühne eingesetzt? Was erhofft sich der Regisseur davon? Welche Wirkung soll damit erzielt werden? Wie wirken sich die neuen technischen Mittel auf die Dramaturgie eines Stückes aus? Wie werden solche Videoinstallationen am Theater umgesetzt? Wo entsteht grosser Aufwand? Wo werden neue Möglichkeiten erschafft? Wie wird es sich weiterentwickeln?

Als zwei prominente Beispiele möchte ich Simon Solberg (Intendant Schauspielhaus Basel) und Volker Lösch (Regisseur am Staatstheater Stuttgart) befragen. Ich werde neben den Interviews auch meine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Ihnen als Videokünstler einfliessen lassen. Wenn möglich möchte ich auch die neue Inszenierung von Sebastian Nübling am jungen theater basel auf meine Fragestellungen untersuchen. Ich weiss nicht, ob es mir gelingen wird, eine absolut gültige Beurteilung der technischen Entwicklung des Theaters zu erreichen. Ich rechne eher damit, dass ich sehr unterschiedliche Aussagen und Urteile sammeln werde, je nachdem, wer von mir befragt wird. Ich möchte daher meine Recherche nutzen, um eine eigene These (oder Synthese) aufzustellen und in einer Eigenproduktion umzusetzen. Von der Recherche erhoffe ich mir viele verschiedene Ansätze und Ideen für die Inszenierung meiner Truppe.

Ich möchte mich im Sinne des Jahresthemas “Jetzt Gemeinschaft” auch intensiv mit der Arbeitsteilung im Entstehungsprozess eines Theaterstücks beschäftigen und verschiedene Ansätze miteinander vergleichen. Beim Theater Basel ist mir eine klare Trennung zwischen Kunst und Technik aufgefallen. Ich hinterfrage diese Trennung und möchte versuchen, als Prozessgestalter neue Arbeitsweisen auszuprobieren. Als Videokünstler am Theater Basel bin ich schon jetzt in einer Position, die Kunst und Technik verbindet. Ich will herausfinden, ob es möglich ist, die beiden Abteilungen besser zu verbinden und den Austausch in der Gemeinschaft zu fördern.

Für meine Eigenproduktion möchte ich diese Trennung ganz bewusst aufheben und die Techniker, sowie den technischen Aufbau auf die Bühne verlegen und in die Inszenierung einbetten. Auf der anderen Seite sollen auch die Schauspieler viele technische Aufgaben übernehmen und zum Beispiel Licht, Ton oder Video selbst auslösen.

Ich erhoffe mir vier verschiedene Produkte meines Diplomjahres:
- Die Recherche zu Medien im zeitgenössischen Theater
- Das Bühnenbild der EIgenproduktion
- Die Aufführung des Stücks, sowie Gastspiele des Stücks
- Die Dokumentation des gesamten Prozesses