11.11.2012
Diplomfragestellung

Über die Eigenfrequenz von Luftschlössern

Die Fähigkeit, Unwirklichkeiten zu denken, muss eine Grundvoraussetzung gestalterischen Handelns sein: Nur wer sich verschiedene Möglichkeiten als solche zu erschliessen vermag, sieht sich in der Lage, eine Wahl zu treffen. Warum aber denken wir auch Unmöglichkeiten? Welchen Wert hat Fiktion? Und welche Rolle gebe ich mir als Gestalterin in diesem Kontext?
Während des Diplomjahres will ich mich ästhetisch forschend mit Unwirklichkeiten, mit Gedankenkonstrukten, mit Fiktion auseinandersetzen. In Zusammenarbeit mit Phantasten, Realisten und Aktivisten soll so ein gestalterisches Essay entstehen, das versucht, die gesellschaftliche Relevanz des Imaginären zu orten.
Zu ersten Indizien gesellschaftlicher Relevanz soll die Frage führen, inwiefern sich das Imaginäre als Gemeingut begreifen lässt. Kann man etwas Imaginäres besitzen? Kann es Teil einer gemeinschaftlichen Identität sein? Wie steht das Fiktive zur gemeinschaftlichen Wirklichkeit? Wie und wozu verhandeln Gemeinschaften Unwirklichkeiten?
Der Begriff Fiktion wird in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen aufgegriffen und diskutiert. Philosophie, Kunsttheorie, Literaturwissenschaft, Soziologie und Kognitionspsychologie äussern sich aus verschiedenen Blickwinkeln zum Thema. An diesen wissenschaftlichen Diskurs möchte ich inhaltlich anknüpfen, dabei jedoch mit den Mitteln der Gestaltung Antworten auf meine Fragen finden. Methodische Orientierung bietet deshalb die Designforschung mit ihren Ansätzen zum Anschaulichen Denken und zur Entwurfsforschung.
Nach ersten Recherchen zur thematischen Verortung gilt es nun, das Arbeitsfeld weiter einzugrenzen, die methodische Herangehensweise zu definieren und Spielraum für Experimente zu schaffen.