Als ich “Local Supervisor” vor knapp einem Monat lancierte, war mir zugegebenermassen etwas mulmig zumute. Der Respekt davor, auf taube Ohren zu stossen, war mit der Idee gewachsen. Dazu kam, dass ich mir keine klare Promotionsstrategie zurechtgelegt hatte. Die Entscheidung, den Aspekt der Werbung weniger stark zu gewichten, fällte ich jedoch bewusst. Ich wollte vermeiden, dass mir der Fokus der Arbeit unter dem Aufbau einer Kampagne entgleitet. So machte ich lediglich von den zwei gängigsten Werbekanälen Gebrauch: Zum einen verfasste ich eine Medienmitteilung, die zusammen mit der Promotion unseres Albums an Kulturjournalisten und -redaktionen verschickt wurde. Zum anderen streuten wir das Projekt über Facebook. Die mediale Resonanz blieb erwartungsgemäss aus. Wichtiger war mir aber von Beginn weg, die potentiellen Nutzer, die Konzertbesucher zu erreichen. Die Reaktionen aus dem Umfeld der Band (Facebook-Freunde miteinbezogen) bildeten dann auch den krassen Kontrast zum Ausbleiben des medialen Echos. Über verschiedenste Ecken erreichte uns positives Feedback. Was jedoch die Wenigsten mitlieferten, war eine Begründung. Was war es nun, das man an der Idee “huuere geil, Jungs” fand?
Aus welchen Gründen auch immer; es verging keine Woche, bis der erste Local Supervisor an Bord war. Zu unserer Überraschung war uns die junge Frau, die sich einschrieb, völlig unbekannt. Mit ihrer Anmeldung begrub sie aber gleich die Befürchtung, durch eigene, vorgetäuschte Anmeldungen die Hemmschwelle abbauen zu müssen. Zudem stellten wir erleichtert fest, dass die Plattform auch bezüglich Verständlichkeit offenbar keine (zu) grossen Hürden aufwies. Alles funktionierte reibungslos. Sie postete ein Video von uns auf Facebook, um für das Konzert im Gaskessel Bern zu werben. Anschliessend liess sie es durch Freunde teilen und schickte uns eine Freundschaftsanfrage, um mit ihr in Kontakt treten zu können. Nach dem Konzert, das sie mit einigen Freunden besuchte, kamen wir ins Gespräch und gelangten damit zum eigentlichen Kern der Sache; dem Austausch mit dem Menschen, der sich hinter dem anonymen Zuschauer versteckt. Als sie zu uns herantrat, war es im ersten Moment etwas seltsam und ich glaubte plötzlich zu wissen, wie überfordernd sich Speed-Dating anfühlen musste. Local Supervisor schafft — gleich einer Dating-Agentur— Rahmenbedingungen für Beziehungen; Räume ohne Einrichtung, die man als Akteur betritt und gemeinsam mit dem Gegenüber zu möbelieren hat. Im Falle von Local Supervisor werden die Rahmenbedingungen festgelegt durch unser Angebot, resp. das Eingehen darauf, sowie das geteilte Interesse an derselben Musik und nicht zuletzt die gemeinsame Erfahrung des Konzertes. Letztere bietet sich jeweils an als Einstieg ins Gespräch, ist sie doch noch sehr frisch und emotionsgeladen. Die anfängliche Unsicherheit war auf jeden Fall bald verflogen und es folgte eine sehr angeregte Diskussion über Berner Kulturpolitik mit Local Supervisor Maya Holdener.

Nach der ersten Anmeldung liess die zweite nicht lange auf sich warten. Ein junger Herr schrieb sich ein, um Konzertfotos zu schiessen, ebenfalls in Bern. Ihn wiederum kannten wir alle.  Nichtsdestotrotz geschah es aus eigener Initiative und nicht etwa auf unser Drängen (ist doch so, Beni?). Innert kürzester Zeit kamen noch vier weitere Anmeldungen dazu. Bis heute sind es acht. Unter Betrachtung der Tatsache, dass wir Local Supervisor bislang erst an fünf Konzerten anbieten konnten, bin ich sehr zufrieden. Noch erfreulicher steht es um die gemachten Erfahrungen. Neben den lebendigen Konzertfotos, die unsere Fotografen in Bern und Aarau schossen (siehe Link unterhalb des Artikels), wurden wir in Bern zum Abendessen eingeladen, wobei uns Rebecca, so ihr Name, ein Menü servierte, das selbst dem Tibits Konkurrenz gemacht hätte. Mit einer Selbstverständlichkeit tischte sie uns zur Vorspeise selbstgemachten Hummus, Fladenbrot, Feigen und Nüsse auf, um dann nachzudoppeln mit einer marrokanischen Tagine. Nachdem wir die Verwunderung überwunden hatten, wurde die Stimmung auf einen Schlag sehr ungezwungen und es war kaum mehr zu spüren, dass die Situation für alle Beteiligten Neuland war. Auch bedurfte es keiner Floskel bezüglich Gastfreundschaft etc. Die gegenseitige Wertschätzung war deutlich zu spüren.

In Bern waren schliesslich vier der fünf Angebote gebucht, was auch auf das Konzert beträchtliche Auswirkungen hatte. Obschon nur zu viert, vermochte die Anwesenheit der Local Supervisors die Anonymität des Publikums aufzubrechen und die Grenze zwischen Bühne und Saal aufzuweichen. Man hatte nicht mehr das Gefühl, für einen dunklen Klumpen von Menschen zu spielen. Wir spielten jetzt für Maya, für Beni, für Rebecca und für Tobias.
Auch in Aarau und Genf gab es Local Supervisors. Um für das Konzert im Kiff zu werben, sorgte unser dortiger Local Supervisor dafür, dass das gepostete Video nicht weniger als 12 Mal geteilt wurde und Genf wurden wir mit Brownies beschenkt, obschon das Konzert gratis war. Darauf angesprochen entgegnete der Local Supervisor: “Eben”.

Konzertfotos: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.477158339019779.1073741825.112493268819623&type=1