ABSTRACT #1

 

KONTEXT
Kleider, Accessoires, technische Geräte, Apps – das äussere Erscheinen im Allgemeinen ist in unserer heutigen Gesellschaft von enormer Bedeutung. Ob man im Internet surft, fernsieht oder in Magazinen blättert – man findet überall schöne Frauen und Männer, geschminkt und ins perfekte Licht gesetzt. Sie sind hip, cool, selbstinszeniert. Sie sind nerdy, schick, makellos, vorbildlich – sie sind perfekt. Und sie entsprechen dem Kanon der Ideale, dessen sie sich bedienen. Sie haben keine feste Zugehörigkeit ausser den postindustriellen Stilmix kontextloser Stilikonen. Sie agieren als Abbilder und sind nicht beseelt von der Bedeutung, welche die jeweiligen prägenden Stilikonen antrieb. Ihr Antrieb ist Oberfläche. Besonders Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren werden angesprochen. Ihre Idole sind Popstars, Models oder Schauspieler. Und die sind alle “schön“ oder zumindest berühmt! Sie bewegen sich auf der öffentlichen Bühne.
Wir wissen, dass sich übers Internet jeder in einer Form präsentieren kann. Viele junge Menschen haben einen Facebook-Account, twittern oder zeigen ihre neusten Schnappschüsse auf Instagram. Dort versuchen sie – und das schaffen sie auf den ersten Blick wohl auch – sich von ihrer schönsten, eindrücklichsten und aufregendsten Seite zu zeigen. Man könnte sagen, sie haben zwei Gesichter: das aufgesetzte, digitale, virtuelle und dann das reale. Die Inszenierung spielt eine wichtige Rolle. Es ist die Inszenierung des Selbst, medial angepasst an den jeweiligen Kanal.

Junge Menschen sind auf der Suche nach Identität, einem Stil und einer Aussage. Das machen sie mit einer gewissen Verspieltheit und Lockerheit. Ich kenne das von mir selbst: Als ich 15 Jahre alt war, damals waren gerade die Hippies im Trend, also Schlaghosen, Batikshirts und ganz viele Holzperlenketten um den Hals. Danach kam die Skaterzeit. Auch das probierte ich aus und kleidete mich dementsprechend. Ich definierte mich durch meine Kleidung und meine Freunde, durch die Schule und mein Umfeld. Ich hatte in dieser Zeit aber noch kein Facebook oder sonst eine Plattform, die mir die Möglichkeit gegeben hätte, mich noch von einer anderen Seite zu präsentieren.
Die Zeiten ändern sich. Mit dem Internet entstand eine neue Form von Inszenierung, eine neue Form von Präsentationsgemeinschaft und Publikum. Jeder ist Schauspieler. Jeder ist Publikum. Es geht nicht mehr darum: Du bist, was du hast. Es geht um: Du bist, was du mitzuteilen hast. Die junge Generation geht mit diesem Wandel und der Veränderung mit, lässt sich treiben und bedient sich verschiedenster Werkzeuge. Die Frage nach dem “Warum“, nach der einen eigenen Identität und dem persönlichen Antrieb scheint zu entschwinden. Die Frage nach dem “Wo“ (also wo komme ich gut an, wo kann ich mich am Besten präsentieren) steht im Vordergrund.

 

IDEE
Meine Idee für mein Diplomprojekt basiert auf dem, was ich oben angesprochen habe. Ich möchte mich im Bereich der Jugendkultur und der Generationenfrage bewegen. Ich durfte in den letzen Jahren mehrere Erfahrungen mit jungen Menschen machen. Zum einen als stellvertretende Lehrkraft, bei Diplomprojekten von ehemaligen HyperWerkerInnen, und als Fotografin auf Parties und für Magazine. Jugendliche begleiten und interessieren mich sehr. Ihr Verhalten, ihre Geschichten, der Umgang mit neuen Medien als Spiegelbild der heutigen Gesellschaft sind Fragen, die mich schon länger beschäftigen und denen ich jetzt in meinem Diplomprojekt eine Form geben kann. Mein Ziel ist es, mit dieser Arbeit einen Einblick in eine Generation zu geben, ein Zeitdokument zu kreieren. Ich möchte die Denk- und Fühlweise eines Zeitalters mit Bildern festhalten. Darum will ich auf die Suche nach jungen Menschen gehen, sie portraitieren und besser kennenlernen. Die jungen Menschen will ich aktiv in den Prozess mit einbinden. Inwiefern sie sich selbst darstellen und wieviel Einfluss ich nehmen werde, ist noch nicht klar definiert. Das Produkt/Ergebnis soll sowohl anderen Jugendlichen sowie auch Erwachsenen eine Erklärung liefern, neue Fragen aufwerfen und helfen, ein Verständnis dafür zu entwickeln.

 

SCHLAGWÖRTER
Generation, Jugendkultur, Erkunden von Gesellschaftsgruppen, Denkanstösse, Netzwerk, Blog, Mode-Blog, Facehunter, Kultur, Lifestyle, Personifikation, Definition, Hipster, Wo bin ich wer?, Identifikation, Selbstportrait, Zeitgeist, Zeitdokument, Trend, Inszenierung, Generation maybe, Portraits, Neue Menschen, Neue Medien, Geschichten, Mode, Ästhetik, Unterschiedlichkeit, Flutermagazin, Vicemagazin, usw.