DIE KATZEN SIND LOS

“…Derweil die Istanbuler Katzen: Sie lassen sich nichts anmerken, hüten aber ein Geheimnis. Istanbul ist ihre Stadt und der Mensch ihnen untertan. Tag für Tag wiederholt sich in Gassen, Parks und Hinterhöfen morgens und abends das gleiche Ritual, kommen beflissene Istanbuler aus ihren Wohnungen gelaufen, in der Hand den Napf mit Milch, mit Trockenfutter, mit Leber, Fisch und Fleisch, und rufen mit wispernden Tönen ihre Herrchen und Frauchen herbei. Einer dieser Katzenadjutanten wohnt bei uns im Haus, ein freundlicher älterer Herr, der einmal die türkische Marine befehligte, nun springen er und die für ihn im Ruhestand abgestellten Leibwächter für die Katzen in unserer Straße: Er füttert und er streichelt sie, er bringt sie regelmäßig zum Tierarzt, er bezahlt für ihre Sterilisierung. Nein, die Katzen leben nicht mit ihm in der Wohnung, sie leben auf der Straße. Wie fast alle Istanbuler Katzen…”
(Quelle: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34901)

Es stimmt. Die Katzen in Istanbul sind omnipräsent. Ich habe mich gefragt, warum so viele Katzen in den Strassen Istanbuls leben und von den Menschen gefüttert und gepflegt werden, obwohl es nicht ihre Katze ist. Ein Phänomen, das wir hier in der Schweiz nicht kennen. Und die Antwort ist einfach und plausibel: Die Leute haben die Katzen einfach gern und füttern sie, weil man allen Essen und Trinken anbietet. Und mit allen sind auch die Tiere gemeint. Bevor man also die Essensreste wegwirft, gibt man sie den Katzen. So war es auch an unserem letzten Abend in Istanbul. Als ich nach dem Essen kurz raus ging um frische Luft zu schnappen, sah ich in einer Ecke ein paar Katzen, die gerade vom Kellner gefüttert wurden. Und zwar mit Resten von den Gästen.
Die Katzen sind ein Teil dieser Stadt und werden es wohl immer bleiben. Und süss sind sie auch. Und selbstbewusst.