3.7.2013
 Ein Klar(t)raum entsteht

Die Festivalsaison hat begonnen und die Nomade ist aufbruchsbereit. In der Vorbereitungszeit ist viel geschehen, so dass wir auch für die kommende Reise gerüstet sind. Der folgende Artikel zeigt die Entstehung von meinem selbstgebauten Traumzelt, welches an den besuchten Festivals dieses Thema beleuchten und bei den Besuchern zum Austausch anregen soll.

Im Verlauf des Diplomjahres kristalisierte sich die Idee heraus, das ich das Thema Traum in die Festivalwelt und über diese auch die Festivalerfahrung in den Alltag tragen will. Vor allem der Klartraum oder auch luzide Traum genannt interessierte mich sehr stark. In diesem Zustand ist es möglich die Traumrealität nach der eigenen Fantasie zu gestalten, sie als Problemlösungsstrategie zu nutzen und Inspiration zu finden. Der Klartraum scheint mir eine gute Möglichkeit den Brückenschlag zwischen Festivalwelt und Alltag zu vollziehen, da der Klartraum auch diese Gestaltungsfreiheit und Raum zur Kreativität bietet, wie sie an den partizipativen Festivals vorhanden ist; der Traum als Tool zur Realitätsgestaltung. Diese Idee verfolgte ich dann auch in der Herstellung meines Traumzeltes.

Mit sieben Hyperwerkern habe ich im Januar eine Traumgruppe gegründet, um das Potenzial der Gruppenarbeit zu untersuchen und zu nutzen. In den vier Tagen intensiver Auseinandersetzung mit Klarträumen haben vier von sieben ihren ersten bewussten Klartraum erlebt und alle konnten sich nach diesen Tagen viel detailreicher an ihre Träume erinnern. Nach diesem Versuch war mir klar, dass die Arbeit in Gruppen sehr hilfreich für das erlernen von Klarträumen ist und an den Festivals bestimmt auch Anklang findet. Nun stellte sich die Frage in welchen Rahmen oder in welchem Raum dieses Thema beleuchtet und weitergegeben werden kann. Eine Mitträumerin erzählte mir von einem Zelt, das sie in ihrem Traum gesehen habe und die Entscheidung ein Zelt zu nutzen fiel schnell. Des weiteren wollte ich mit Licht und Symbolen arbeiten und versuchte daher ein Zelt zu finden, dass eine gute Projektionsfläche bietet. Die Möglichkeit eine Jurte oder ein Tipi zu mieten stand zur Diskussion, doch die Idee ein Zelt selbst herzustellen, dass genau auf mein Projekt ausgerichtet ist, setzte sich durch. Da in meinem Umfeld und vielleicht auch daher in meinen Träumen die Form des Pentagons und des Hexagons oft auftauchte, wollte ich diese auch für mein Zelt nutzen. Mir gefiel auch die Idee, diese Formen als Projektionsfläche zu nutzen und somit stiess ich auf die Form des abgestumpften Ikosaeders oder auch oft gesehen als die Oberflächenstruktur des Fussballes. Solche polygone Körper haben die Eigenschaft, dass sie eine grosse Eigenstabiliät aufweisen.

Die Entscheidung ein Zelt mit einem Projektor zu bauen war bei mir gefallen und die Umsetzung sollte der nächste Schritt sein. Natürlich kamen dabei viele kleine Details und Produktionsschritte dazu, die man nicht erwartet hatte, was einen sehr interessanten und kreativen Werkprozess auslöste den ich hier dokumentieren will:

Ein kleiner Prototyp aus Draht überzeugte mich diese Version eines Domes zu realisieren. Ich nahm Kontakt auf mit dem Alumni der Nomatark initiert hat, da sie für dieses Projekt auch einen Dome mit einer Dreieckstruktur gebaut haben. Er verwies mich auf Domique von “Living Domes”, der bereits viel Erfahrung im Bau dieser Zelter hat. Domique gab mir zu bedenken, das die Dreiecksstruktur eine stabile Fläche ergibt, Fünfeck- und Sechseckstrukturen jedoch nur wenn sie durch eine Flächen zusammengebunden werden. Es war also notwendig einen starren Winkel einzusetzen, da sonst die Struktur in sich zusammenfallen würde.

Wie diese Winkel und somit die Verbindungsstücke gestaltet werden sollten, gab mir einige unruhige Nächte. Ein Traum gab mir den Input, dass das Leder alleine zu flexibel ist. Was sich dann im Wachzustand bewahrheitete. Daher habe ich mich für Metallwinkel entschieden, die mit dem Leder zusammen eine flexible aber trotzdem auch stabile Verbindung ergeben. Aus den zusammengesetzten Winkeln zweier Sechsecken und eines Fünfeckes ergeben sich genau die richtigen Winkel für das Zelt. So haben wir auch eine Schweisslehre gebaut um dann alle Winkelstücke zu schweissen. Bis zur Fertigstellung kamen viele kleine Verbesserungsschritte dazu und zusammen mit dem genähten Zeltstoff wurde die Konstruktion in die richtige Form gerückt. Das Zelt ist bereit für die Reise.


“Mit der Schweisslehere werden die Winkelstücke angefertigt” April 2013

 


“Schweisslehere, Winkelstücke und ein fertiges Verbindungsstück” Mai 2013


“Erste Steckversuche” Mai 2013


“Das Grundgerüst steht” Mai 2013


“Symbolprojektionsversuche” Mai 2013


“Aufbau für Moulhouse” Mai 2013


“Der Dom mit Zeltstoff” Mai 2013


“Der Projektor wird installiert” Mai 2013