15.11.2012
Partizipative Kreativfestivals

Ich möchte mich dieses Jahr mit einer speziellen Bewegung in der Festivalszene befassen, mit der ich mich bereits seit anfangs Hyperwerk auseinandersetzte. Ich nenne sie hier partizipative Kreativfestivals. Das ist ein Bereich der Festivalszene, wo die Festivals versuchen einen offenen Kreativraum zu schaffen, indem jeder Besucher ein aktiver Teilnehmer am Event werden kann. Diese Festivals bezeichnen für mich eine Gegenbewegung zu den weitverbreiteten Konsumfestivals. Sie schaffen sozusagen eine zeitlich begrenzte Utopie, in der andere Regeln, Umgangsformen und Lehrprozesse ausprobiert und gelebt werden.

Die Besucher werden durch vielfältige Angebote und viel Freiraum animiert selbst ein Teil des Festivals zu werden indem sie einen kreativen Beitrag leisten. Diese Selbsteinbringung geht bei manchen kleineren Festivals soweit, dass die Initiatoren nur grundlegende Infrastrukturen wie auch den Platz zur Verfügung stellen und der Rest wird von den Besuchern eingebracht. So bekommt man als Teilnehmer nicht einfach ein fixfertiges Programm, das schön nach Plan verläuft, sondern lässt fast unbegrenzt Raum für die sich entfaltende Kreativität des Zusammenspiels. Der Prozess des Entstehen und Vergehen wird so für alle sichtbar und erlebbar. Die Kreativfestivals setzen kaum Grenzen durch Genres oder anderen Schubladisierungen und so entsteht eine ungeheure Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten und Interaktionsknotenpunkte. Musik ist immer ein sehr wichtiger Aspekt, aber genau so sind Dekoration, Architektur, Visualart, Tanz, Performance, Interaktionsspiele, Workshops sowie Vorträge zu zeitgeistlichen Themen wie Transformation, Krise und Verschwörungstheorien. An solchen Festivals entstehen nomadische wie auch permanente Strukturen und Konzepte des Zusammenlebens. Neue Formen der Architektur, der Mobilität, Ökonomie sowie Ökologie werden erforscht und erprobt. Solche Festivals schaffen perfekte Freiräume um zu spielen, experimentieren, interagieren und zu kommunizieren.

Mich interessiert vor allem das schöpferische und vermittelnde Potenzial dieser Festivals, genau so auch das Flow- und Gemeinschaftsgefühl, dass durch diese partizipative Form entsteht. Der kritische Punkt, bei dem ich ansetzen will, ist die Vergänglichkeit der Festivals, da sie wie bereits gesagt eine zeitliche Begrenzung haben. In meinen Augen werden diese kreativen und spielerischen Formen des Austausches  von Wissen und Fertigkeiten zu wenig im alltägliche Leben angewendet. In diesem Jahr will ich mich daher weiterführend mit dieser Art von Festivals auseinandersetzten, bestehende Organisationsformen vertieft anschauen und mich fokussiert mit der Frage beschäftigen, wie man diese Kreativität und Gefühlswelt auf die Strasse und in den Alltag tragen und integrieren kann. Ich will gestalterische Mittel und Ausdrucksformen finden, welche diese spezielle Weise der Wissensvermittlung und -aneignung  der Festivals widerspiegeln und authentisch wiedergeben können.