10.3.2013
DER ERSTE BESUCH AUF DEM DMC AREAL IN MULHOUSE

Die Ursprünge der DOLLFUS-MIEG & Compagnie, kurz DMC, gehen zurück bis in das Jahr 1746. Zusammen mit Samuel Koechlin und Jean-Jaques Schmalzer gründete Jean-Henri Dollfus eine Manufaktur zur Herstellung von «Indiennes» – farbig bedruckter Stoffe mit exotischen Mustern.

Nach über 50 Jahren im Geschäft der Stofffärberei gab Jean-Henri Dollfus seine Manufaktur um 1800 an seinen Neffen Daniel Dollfus weiter. Kurze Zeit darauf traute sich dieser mit Anna-Marie Mieg. Das Junge Paar wandelte die noch keine Manufaktur in eine Aktiengesellschaft um und gab dem Unternehmen den bis heute gültigen Namen DOLLFUS-MIEG & Compagnie, kurz DMC.

Mit dem Einsetzen des industriellen Zeitalters konzentriert sich die DMC zunehmend auf die Produktion von Garnen – für deren Kollektionen die Unternehmung noch heute  international Anerkennung und Beachtung geniesst. Die Zahl der Beschäftigten steigt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts auf weltweit über 9000 an. Die DMC resp. deren Belegschaft prägt so über viele Jahrzehnte das industrielle und öffentliche Leben in Mulhouse. Verwaltungsgebäude, Lager und Arbeitersiedlungen sind mit dem wirtschaftlichen Aufschwung entstanden. Des Produktionsareal alleine umfasst 17 Hektar Land.

Mit der Verschiebung der Textilproduktion von Europa nach Asien setzen ab Mitte des 20. Jahrhunderts auch für die DMC einschneidende Veränderungen ein. Von den einst 9000 Mitarbeitenden sind heute gerade 250 übrig geblieben. 10 der 17 Hektar Land, mit meist leer stehenden Gebäuden, mussten 2008 an die Stadt Mulhouse verkauft werden um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Ein Schnitt und Neuanfang welcher die DMC in die «scharzen Zahlen» zurückgebracht hat. In über 40 000 Verkaufsstellen verkauft das Unternehmen heute  Garne und Fäden. Sein Strickgarn «Mouline» ist Weltmarktführer.

Die Gebäude auf den rund 10, im Jahr 2008 an die Stadt Mulhouse verkauften, Hektar Land stehen bereits seit Beginn des 21. Jahrhunderts leer. Zwischen- und Umnutzungsprojekte sind bisher gescheitert. Mischa Schaub hat die Vision, dies mit dem Aufbau des motoco-Campus nachhaltig zu ändern. Nach seinen Plänen soll in den kommenden zwei Jahren im «batiment 75», einem dreistöckigen Produktionsgebäude aus dem Jahre 1930, ein offener Hochschul-Campus für Ausbildung, Austausch und Kultur entstehen. 

Während Mischa Schaub und sein Projektteam dem «batiment 75» eine Zukunft geben, werde ich mit meinem Projekt versuchen, den Brückenschlag zwischen Geschichte und Gegenwart herzustellen. Mein Projekt sieht vor, an drei prototypischen Objekten industrielle Archivmaterialien aus dem Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Frankreich für die Verwendung in der Gegenwart zu untersuchen. Ursprünglich bin ich davon ausgegangen, dass diese dem HyperWerk für die Konzeption der IBA2020 Ausstellung als Basis dienen. Doch hat das Institut in den vergangenen Wochen seine Bewerbung für deren Umsetzung zurückgezogen. Im ersten Augenblick hat dieser Rückzug in mir grosse Bedenken um die weitere Gestaltung meines Diplomprojekts gescheuert. Seit dem Besuch auf dem DMC-Areal am 5. März erachte ich diese Bangnis allerdings zunehmend als haltlos. Statt dessen schöpfe ich aus den Eindrücken aus dem Besuch des «batiment 75» neue Ideen und Inspirationen. Ich möchte versuchen, einen Bezug zwischen Archivmaterialien, «batiment 75» und Gegenwart herzustellen. Die Ausrichtung, auf Ausstellung und Installation,  meiner prototypischen Objekte will ich überdenken. Gegenwärtig finde ich die Kombination von (selbst produziertem) Filmmaterial aus der Gegenwart, vielleicht mit Personen die im «batiment 75» gearbeitet haben, und Fillmaterial aus Archiven beträchtlich spannender. Beispielsweise als Dokumentarfilm mit begleitenden Veranstaltungen …

– Batiment 75 Plan 2014-2020 (pdf)