18.12.2012
DIPLOMPROJEKTBESCHREIBUNG MULHOUSE

Industriegeschichte der Vergangenheit erlebbar in der Gegenwart.
Vierte und definitive Fassung.

Präambel

Die industrielle Evolution prägt Mulhouse seit dem 18. Jahrhundert. Gesellschaft, öffentliches Leben und Kultur in der französischen Grenzstadt haben sich mit ihr entwickelt und verändert. Während der industriellen Revolution brachten vor allem die Maschinen- und Textilindustrie Arbeit und Reichtum in die Stadt – ganz besonders die 1746 gegründete Textilunternehmung Dollfus, Mieg & Compagnie, kurz DMC. In der heutigen Postmoderne bestimmen vor allem der Elektrik- und Automobilbau sowie das internationale Transportwesen die Entwicklung von Stadt und Gesellschaft.

Abstract

Das Diplomprojekt «Mulhouse» untersucht hauptsächlich fotografische und filmische Zeitdokumente zur industriellen und kulturellen Entwicklung von Mulhouse. Ziel ist, mit den aufgezeichneten Inhalten die Veränderung des kulturellen und industriellen Lebens der Region zu visualisieren und Dokumente, wo sinnvoll, wieder für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mehrere Archive haben die Geschichte von Industrie und Gesellschaft von Mulhouse und dem angrenzenden Dreiländereck Schweiz, Frankreich, Deutschland, festgehalten. Über das Netzwerk motoco (motoco.me) und dessen geplanten Niederlassung auf dem ehemaligen Fabrikareal der DMC sind diese zugänglich geworden. Als eigenständiges und unabhängiges Projekt untersucht dieses Diplomprojekt hauptsächlich fotografische und filmische Zeitdokumente und versucht diese, wo sinnvoll, mit exemplarischen, szeneografischen oder medialen Prototypen in die Gegenwart zu transferieren. Die Erarbeitung, respektive die zugehörigen Prozesse orientieren sich an drei Abschnitten:

1. Recherche
Ausgehend vom Industriearchiv in Mulhouse und dem DMC-Archiv beginnt die Sichtung der vorhandenen Zeitdokumente.  Die aus der Grundlagenrecherche resultierenden Erkenntnisse werden in einen Kriterienkatalog zur weiteren Recherchetätigkeit überführt. Nach Möglichkeit und bei entsprechender Relevanz werden weitere Archive, wie sie beispielsweise in Lörrach (D) bestehen, gesichtet oder die Arbeit in Mulhouse vertieft.

2. Potenzial
Das recherchierte Material wird hinsichtlich Aufarbeitungspotenzial bewertet und wo für diese Projektarbeit sinnvoll in einen verarbeitbaren Zustand überführt.

3. Prototypen
Mindestens drei prototypische Objekte visualisieren die weiteren Verwendungszwecke des im 2. Abschnitt «Potenzial» erarbeiteten Materials. Sie bearbeiten  entweder …

a. auf szenografischer Ebene und an konkreten Objekten die Frage: Wie können die Archivmaterialien in der Gegenwart für eine interessierte Gemeinschaft inszeniert, zugänglich und erlebbar gemacht werden?

oder …

b. auf theoretischer Ebene  Fragen zum Thema  Commons und kulturelle Aspekte von Gemeingut, wie zum Beispiel:  Sind und/oder sollten die gesichteten Dokumente Gemeingut sein? Haben Sie einen nachvollziehbaren, erkennbaren Wert für das kulturelle und öffentliche Leben der Gegenwart? Wie gestaltet sich die rechtliche Situation zu Eigentum und Verwendung? Mit welchen Prozessen können sie in die Gegenwart überführt und allgemein zugänglich gemacht werden?